Weder niedlich noch hübsch – Bufo bufo, die Erdkröte

Im Mittelalter galt sie als das häßlichste Tier der Schöpfung. Die Haut der Erdkröte ist voller Warzen.
Obwohl das unattraktive Äußere der Erdkröte (Bufo bufo) die Menschen eher abschreckt, bedient man sich ihrer in der Medizin.
Als Hexensalbe wie auch in der Volksmedizin fand man für sie Verwendung.
In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurde sie zur Feststellung von Schwangerschaften bei den Menschen eingesetzt.
Noch heute wird sie in der Homöopathie bei geistiger Benommenheit mit Migräne und Krämpfen verwendet.
Trotzdem gehört sie in Deutschland zu den am häufigsten verbreiteten Froschlurch aus der Gattung der Echten Kröten.
Als sogenannten “Kulturfolger” trifft man Bufo bufo in Parks, Gärten, Friedhöfen, Ruinen und feuchten Kellern an. Sie ist ein wechselwarmes Tier, das überwiegend dämmerungsaktiv ist.
Ein ausgewachsenes Erdkrötenmännchen wird ca. 9 cm lang. Die Weibchen sind mit ihren 12 – 15 cm erheblich größer.

Zur Abwehr potenzieller Fressfeinde sondert Bufo bufo aus bohnenförmigen Drüsen am Hinterteil Hautgifte ab.
Die relativ plumpen Erdkröten besitzen einen gedrungenen, oberseits von warzigen Hautdrüsen übersäten Körper. Der breite Kopf ist Kurzschnauzig gerundet.
In unregelmäßigen Abständen häutet sich Bufo bufo, indem die alte aufplatzende äußere Hautschicht in windenden Bewegungen und unter Maulaufreißen von den Gliedmaßen und dem Rumpf abgestreift und verschlungen wird.
Im Laufe des März macht sich Bufo bufo auf den Weg vom Winterquartier zum Laichgewässer. Die Erdkröte ist ein ortstreuer “Traditionslaicher”.
Auf ihrem Weg zu den Laichgewässern ist die Erdkröte vom Verkehrstod bedroht. Aber auch Marder, Katzen, Schlangen und Greif- und Rabenvögel stellen ihr nach.

Als Fortpflanzungsgewässer werden stille mittel- bis große Weiher, Teiche und Seen benutzt. Ein schwacher Durchfluss wird toleriert.

Ein laichbereites Erdkrötenweibchen wiegt bis zu 100 Gramm. Die Männchen sind dagegen mit ihren maximal 50 Gramm echte Leichtgewichte.
Der Laich wird in Form von Schnüren abgegeben, an denen 3.000-6.000 Eier haften. Sie sind 5-8 mm dick und können 2-4 Meter lang sein.
Nach wenigen Tagen (abhängig von der Umgebungstemperatur) entwickeln sich die Kaulquappen. Sie sind einheitlich schwarz gefärbt und werden bis zu 40 mm lang.
Die Kaulquappen der Erdkröte schwimmen in der Regel in breiten oder langgezogenen Schwärmen. Dabei bevorzugen sie die oberen, wärmeren Wasserschichten.
Sie weiden Algen und zerfallene organische Substanzen von der Oberfläche. Stirbt ein Artgenosse, betätigen sich die anderen als Aasfresser.
Im Alter von 2 1/2 bis 3 Monaten ist die Metamorphose zum lungenatmenden, vierbeinigen Landtier abgeschlossen.

Die Larven der Erdkröte sind ungenießbar. Deshalb laicht sie auch erfolgreich im Gegensatz zu anderen Amphibien in Fischteichen.

Auf Feuchtwiesen und unter Totholz suchen die jungen Erdkröten (7 - 12 mm) bevorzugt Verstecke vor ihren Fressfeinden.
Oft gehen die jungen Erdkröten in großen Mengen ans Ufer. Der Volksmund spricht deshalb vom “Froschregen”.
Nach ca. 3 Jahren werden die Jungkröten geschlechtsreif. Die Lebensdauer beträgt höchstens 10 – 12 Jahre.
Als Schädlingsvernichter haben die Erdkröten (Bufo bufo) im “chemiefreien” Gartenbau und in der Landwirtschaft eine wichtige Bedeutung. Stehen doch Schnecken, Würmer, Asseln und Spinnen auf ihrem Speiseplan. Regenwürmer ziehen die Kröten vor dem Verzehr wie Spagetti durch ihre Finger, um Schmutzpartikel abzustreifen.


