Neu entdeckt und schon beschrieben – Das Tarzan-Chamäleon, Columma tarzan, aus Madagaskar

(Foto: Frank Glaw) Ein männliches Tarzan-Chamäleon in Schreckfärbung. Bemerkenswert ist die abgeflachte Schnauze.
In den Regenwäldern Madagaskars hat ein Forscherteam der Technischen Universität Braunschweig, der Universität Antananarivo, der Zoologischen Staatssammlung München und des hessischen Landesmuseums Darmstadt eine bisher unbekannte Chamäleonart entdeckt.
In dem Gebiet, wo man sie fand, wurde fast der gesamte Wald abgeholzt.
Das Chamäleon wurde jetzt neu beschrieben. Der Name soll bewußt an den imaginären Urwaldhelden “Tarzan” erinnern und Aufmerksamkeit erregen!
Das neu entdeckte Chamäleon trägt den wissenschaftlichen Namen Calumma tarzan und lebt ausschließlich in den Regenwäldern mittlerer Höhenlagen an Madagaskars zentraler Ostküste.
Der Lebensraum des Tarzan-Chamäleons ist bereits hochgradig gefährdet. Seine Heimat wurde bis auf wenige Restbestände in der Größe einiger Fußballfelder komplett entwaldet.
“Das Tarzan-Chamäleon soll mit seinem prominenten Namen für den Schutz dieser letzten kleinen Waldinseln werben, da diese unmittelbar durch die rasant fortschreitende Abholzung bedroht sind”, sagt Philip-Sebastian Gehring von der Technischen Universität Braunschweig, Erstautor der Artenbeschreibung.

Der Inselstaat Madagaskar ist größer als Frankreich! Die viertgrößte Insel der Welt liegt etwa 500 km östlich des südlichen Afrika.

In der Gegend um Tarzanville gibt nur noch einige kleine Waldoasen. Dort ist das Tarzanchamäleon beheimatet.
Das primär grün gefärbte und bis zu 150 mm groß werdende Tarzan-Chamäleon gehört zur Columma furcifer- Artengruppe. Es weist aber einige Alleinstellungsmerkmale auf, die es von anderen Chamäleons dieser Gruppe unterscheidet.
Eine Besonderheit dieser Art innerhalb der näheren Verwandtschaft ist die braune Färbung auf Kopf und Nacken, die sich aber nur bei den Männchen findet. Auch seine schaufelförmige Schnauzenspitze (bei den Männchen deutlicher ausgeprägt) ist einzigartig und ein wichtiges Alleinstellungsmerkmal.
Ein Rücken- oder Bauchkamm ist bei beiden Geschlechtern des Tarzanchamäleons nicht ausgeprägt. Bei Stress weisen die Tarzan-Chamäleons ( Calumma tarzan) gelbe Streifen auf. Die Tiere können bisweilen komplett gelb werden.
Noch vieles über diese interessanten Tiere muss noch beobachtet und erforscht werden. Ihr Lebensraum und der Fortbestand der Art ist stark bedroht. Eine Rettung des Tarzan-Chamäleons ist nur durch sofortige Einrichtung von Schutzgebieten in der beheimateten Region gewährleistet.
Quelle:
Gehring, P.-S., M. Pabijan,, F. Ratsoavina, J. Köhler, M. Vences & F. Glaw:
A Tarzan yell for conservation: a new chameleon, Calumma tarzan sp. n., proposed as flagship species for the creation of new nature reserves in Madagascar.- Salamandra 46(3) 151–163

